Bayerische Landesschule für Körperbehinderte

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Kunst- und Theaterprojekte

Für Kunst- und Theaterprojekte konnte der Dachauer Künstler Heinz Eder für unsere Schule gewonnen werden. Dabei leistete auch das Kultusministerium finanzielle Unterstützung. Welche Reise die Projekte nehmen – das ist der grundlegende Ansatz von Heinz Eder – stehen nicht vorher fest: Es bestimmen die Schüler. Das Ziel ist die Entdeckung des eigenen kreativen Ausdrucks!

Der erste Zugang für die Schüler steht im Zeichen des Findens eines eigenen Ausdrucks und des Spürens von sich selbst. Beispielsweise nähern sich die Schüler zu Beginn dem eigenen Ausdruck durch Erspüren der eigenen Farbe und Form und durch das „Loslassen-lernen“ mit Hilfe der Aquarellmalerei. Jeder hat erst einen Weg des Ausdrucks aus sich selbst heraus zu finden. Nur unter dieser Voraussetzung kann Heinz Eders Grundsatz zum Tragen kommen: „Die Kreativität und die Ideen werden in den Schülern geboren“.

In den Anfangszügen des ersten Kunstprojektes tobten sich Schüler der 3. Klasse im Entwurf einer eigenen Maske durch Holzarbeit aus, die Älteren (8. Klasse) wiederum malten und bauten klassengemeinsam erst eine Winterskulptur aus Holz und später die farbenfrohe Sommerbank. Hier spürten die Schüler – so unsere Einschätzung – das erste Mal, was sie in der Kunst zuwege bringen können.

Die Reise der Großen machte – so erschien es – eine aus den Schülern geborene Abdrift: Mehrere Schüler schrieben in ihrer Freizeit Geschichten rund um die Winterskulptur und die Sommerbank. Dann sang der Schüler David noch sein beeindruckendes Winterlied, das er selbst gedichtet und mit einer Melodie unterlegt hatte. Die Idee einer szenischen Umsetzung entstand. Dabei kristallisierten sich auch als Grundthema die Jahreszeiten heraus. Die Schüler der 3. Klasse von Anke Schöngart gestalteten ihre Schaummasken und dichteten einen Frühlingsrap, um den Winter zu vertreiben.

Ali wollte ein großer Vogel werden; er und seine Klasse bauten seinen Rolli zu einem farbig-fröhlichen Frühlingsvogel um. Bei den Großen werkelten die Jugendlichen an verschiedensten Baustellen: Die einen komponierten mit Heinz das Lied „Komm auf die Sommerbank“, andere feilten an den Entwürfen und dem Schneidern ihrer Kostüme, viele dichteten Elfchen-Gedichte für die Textstellen, alle studierten mit viel Geduld ihren Part ein. Das Kunstprojekt war im Theater gelandet.

Die Schüler nannten es ein Theaterstück, welches sie geschaffen hatten – der Kunstfachmann würde es vielleicht eher eine „szenische Collage“ nennen. Zwei Mal – in der Schule und auf der BUGA - konnte es aufgeführt werden.

Dieses Schuljahr (2006/07) wollen die Schüler wieder auf die Bühne. In gemeinschaftlicher Weise arbeiten Klassen der Wirtschaftsschule und Förderschule an ihrem Ausdruck in Form von Bildern, Skulpturen, Musik, Tanz und Geschichten. Getreu dem Motto Heinz Eders, der Notwendigkeit einer Geburt der Ideen aus den Schülern heraus, heißt der Titel des Projektes „Mir fällt nichts ein!“ Wie das Projekt im Sommer nächsten Jahres endet, ob und in welcher Weise auf der Bühne, entscheiden an zentraler Stelle die viel versprechenden Ideen und der dazu kommende Einsatz der Schüler.

An der Landesschule entwickelten sich die letzten Jahre einige Kunstprojekte. Für das Kunst- und Theaterstück „Die Zeit“ malten, schrieben, dichteten, hämmerten, komponierten, sangen und arbeiteten zwei Klassen. Die einleitende Beschreibung bezieht sich auf dieses Projekt. Im vergangenen Jahr arbeitete die ganze Schule, zum Teil im Laufe des Schuljahres, zum Teil in der Projektwoche, an zwei großen Skulpturen vor der Schule (siehe beide Fotos). Die Ideen zu den Skulpturen kamen von den Schülern zweier Klassen. Erst sollte eine der beiden Entwürfe verwirklicht werden, zum Schluss bauten wir jedoch beide. Jede Klasse und jeder Schüler beteiligte sich durch die Gestaltung eines Teiles einer oder beider Skulpturen.

Dieses Schuljahr beteiligen sich an der Landesschule am Kunst- und Theaterprojekt gleich acht Klassen der Förder- und der Berufsfach-/Wirtschaftsschule. Einen Herzlichen Dank an den Schulleiter Herrn Mehler für die Initiierung und Unterstützung der Projekte.

„Die Urszene des Anfangs ist das Staunen. Auf sie folgt die Kraft des Anfängers, der selbst anfangen kann“ (Kahl 2000, 77). Dabei ist das Staunen aus unserer Sicht auch das „Staunen des Schülers über die eigene Möglichkeit einer kreativen, schöpferischen Gestaltung“. Kunst ist – kaum zu glauben – auch eine Möglichkeit zur Stärkung des Selbstwertes.

Jürgen Moosecker

 

Download: Powerpoint-Präsentation der Klasse 4/5 zum Kunstprojekt (Größe 3.15 MB)

 

Literatur:

Kahl, R.: Leben entzündet sich nur am Leben. In: Blohm, M. (Hrsg.): Leerstellen: Perspektiven für ästhetisches Lernen in Schule und Hochschule. Diskussionsbeiträge zur ästhetischen Bildung. Köln 2000